Einführung in die Begriffswelt des webOS
Laut den Angaben im Buchumschlag soll das Buch Palm webOS Rough Cuts im August diesen Jahres erhältlich sein. Das Software Development Kit (SDK) soll nächsten Donnerstag vorgestellt werden. Das erste Kapitel des Buchs kann bereits als Leseprobe im Internet gelesen werden. Im Buch werden einige Begriffe definiert, die ich hier erklären möchte. Außerdem sind einige interessante Randinfos zu lesen.

Mitch Allen
Das bin nicht ich, das ist Buchautor Mitch Allen. Er arbeitet seit 2000 bei Palm und hat die Entwicklung des webOS “von den ersten Skizzen auf dem Whiteboard bis zu auf dem Bildschirm herumfliegenden Widgets” miterlebt – nicht zu verwechseln mit dem Snowboarder Mitch der Olympischen Spiele.
breite Hardware-Kompatibilität
Im Buch steht, dass das webOS für Hardware mit verschiedenen Bildschirmgrößen, -auflösungen und -orientierungen geeignet sei, mit und ohne Tastatur sowie mit und ohne Touchscreen verwendet werden kann. Das ist eine interessante Nachricht. Für einen Nachfolger des nicht veröffentlichten Foleo wäre das System also auch geeignet. Das webOS läuft auf einem 2.6er Linux-Kernel mit ext3 Dateisystem für das Betriebssystem und einem separaten, mit dem fat Dateisystem formatierten, Datenspeicher, der von USB-Hosts wie dem Desktoprechner als Wechselspeicher erkannt wird.
Programme starten
Der folgende Screenshot des pre zeigt den Programmstarter, genannt Launcher. Diesen Begriff kennen wir schon vom Palm OS, ebenso wie die Status bar, die in jedem Programm als oberste Leiste eingeblendet wird. In Vollbildprogrammen ist es aber auch möglich, diese Leiste mit Mobilfunk-Verbindungsstatus, Akkuladestand, Uhrzeit und Applikationsmenü etc. auszublenden.

Unten im Launcher finden wir die Quick Launch bar, eine Art Favoriten, die man mit Lieblingsprogrammen besetzen kann. Wenn der pre angeschaltet wird, wird ein wählbares Hintergrundbild mit dieser Quick Launch bar angezeigt. Erst über sie gelangt man in den Launcher. Auch wenn ich es nicht sicher weiß, so nehme ich doch an, dass diese Quick Launch bar dieselben Programme enthält wie der QuickWave Launcher, den man von überall im System aufrufen kann. Er wird im Buch nicht erwähnt, wurde allerdings auf der Pressekonferenz in Las Vegas gezeigt.

Innerhalb des Launchers oder der “Start”-Ansicht kann die systemweite Suche verwendet werden, indem man einfach beginnt zu tippen. Der pre sucht dann Daten (Nutzdaten sowie Programme) auf dem Gerät, die zum Suchbegriff passen, und blendet auch Optionen zur Suche im Internet ein.
Card View
Hier sehen wir die Card View, gleich zu setzen mit einem Task Manager von Desktop-Betriebssystemen. Aufgerufen wird sie durch den einen, einzigen Button des pre unter dem Display. Im Card View werden alle offenen Cards angezeigt, was man ruhigen Gewissens mit “Karte” übersetzen kann, denn wenn man die Card View anschaut, ist es genau das, was Palm sich darunter vorgestellt hat.

Zunächst klären wir jedoch, was eine Karte ist. Kurz und knapp: Ist das, was wir von unserem Desktop-Betriebssystem als Fenster kennen. Im Buch wird auch von einer “Aktivität” gesprochen. Da das webOS für kleine Bildschirme optimiert ist, kann man hier keine Fenster auf dem Bildschirm herumschieben und eines das andere verdecken lassen, aber wir arbeiten hier nach einem ähnlichen Prinzip; eine Applikation kann mehrere Karten mitbringen und der Entwickler kann entscheiden, bei welchem Tap eine neue Karte geöffnet wird und bei welchem man in derselben Karte bleibt. Der Sinn hinter Karten ist, dass man zwischen ihnen wechseln kann, ohne die offenen Änderungen in der aktuellen Karte zu verlieren. Das E-Mail-Programm etwa öffnet zum Schreiben einer neuen Nachricht eine neue Karte, damit die andere Ansicht offen bleibt und man dort zum Beispiel in den alten E-Mails etwas nachschlagen kann. Die Card View als Task Manager des Systems zeigt wie ein Kartenstapel alle Karten. Schiebt man mit dem Finger eine Karte nach oben raus, wird das “Fenster” in der betroffenen Applikation geschlossen. Durch Schieben nach links und rechts kann man durch den Kartenstapel blättern. Ein Tipp auf eine Karte öffnet das entsprechende “Fenster”. Jede Karte zeigt eine Livevorschau des “Fensters”, also auch laufende Videos oder ladende Websites kann man in der Card View sehen, ohne auf die Karte tippen zu müssen. Im Buch steht, dass die Karten durch Drag and Drop auch in ihrer Reihenfolge neu angeordnet werden können. Wie am Screenshot zu erkennen ist, wird auch in der Card View wohl die Quick Launch bar angezeigt.
Notifications
Vom Palm OS kennen wir Alarme, also Meldungen, die den Bildschirm belegen und weggedrückt oder in den Hintergrund gestellt werden können. Das webOS unterscheidet zwischen 2 Arten von Alarmen: Popup und Banner. Popups sind Meldungen, die je nach Meldungsgröße einen Großteil des Bildschirms einnehmen und mindestens einen Button haben, um die Meldung wegzudrücken. Sie sind am ehesten mit den klassischen Alarmen des Palm OS vergleichbar. Banner sind Meldungen, die aus einem Icon und einem einfachen, nicht formatierten, Text bestehen. Sie werden ohne separate Popup-Meldung in der Notification bar des webOS angezeigt, welche unten auf dem Bildschirm eingeblendet wird, sobald es Banner anzuzeigen gibt.

Durch Tappen (=Tippen) auf diese bar gelangt man in das Dashboard. Dies scheint keine Vollbild-Ansicht zu sein, sondern eher eine vergrößerte Notification bar. Das Dashboard zeigt in einem Dashboard panel bisher nicht bestätigte Notifications an. Ähnlich wie bei der Card View ist es hier möglich, durch Schieben der Meldungen nach links oder rechts eine Notification zu bestätigen und damit vom Bildschirm verschwinden zu lassen. Das Dashboard enthält aber weitere Panels als nur dieses eine. Ein Panel vom Kalender zeigt hier z.B. stets den nächsten Termin an. Ebenso bringt der Music Player ein Panel mit, über das Titel weitergeschaltet werden können. Denkbar sind hier weitere Widgets wie Wetter, Aktienkurse, E-Mail-Benachrichtigungen, Instant Messenger, Server Monitore und Uptimes uvm. Diese Panels können nach meinem bisherigen Verständnis praktisch jede Art von Information im Dashboard einblenden, inklusive Bilder und vermutlich auch bewegte Bilder. Sogenannte headless applications, zu deutsch “kopflose Applikationen”, können im Dashboard Infos einblenden, haben aber überhaupt keine Karte als eigentliches Programm. Sie bieten höchstens einen Einstellungsdialog direkt im Dashboard an. Über die Zeit rechne ich hier mit zahlreichen Gimmick-Panels für das Dashboard.

Entwickeln für das webOS
Das erste Kapitel des Buchs gibt leider nur eine sehr, sehr knappe Einführung in die Entwicklung, was ja verständlich ist. Das SDK, das am 25.02.2009 vorgestellt werden soll, besteht demnach aus Entwicklertools, Beispielcode, dem Mojo Framework sowie den Zugriff auf das Palm Developer Wiki. Im Wiki sollen formelles und informelles Lehrmaterial zur Verfügung gestellt werden, Tutorials sowie Referenzdokumentation. Registrierte Entwickler sollen außerdem Unterstützung per E-Mail oder in einem von Palm angebotenen Internetforum erhalten. Die Installation des SDK bringt auch die Palm Developer Tools (PDT) auf den Rechner. Sie sind für Linux, Windows (XP/Vista) und Mac OS X verfügbar und erlauben über Kommandozeilentools die Erstellung neuer Entwicklungsprojekte. Die Anwendung kann auf einem Emulator oder einem echten webOS Gerät debugged werden. Das Kit integriert sich ferner in bekannte Editoren (Liste unterstützter Editoren ist noch nicht verfügbar, kommt später auf die Palm Developer Website) und Eclipse sowie Aptana Studio. Entwickelte Applikationen müssen von Palm signiert werden und landen dann im Palm App Catalogue, einem zentralen Software-Katalog für das webOS, wie wir ihn vom iPhone her kennen. Er ist als Applikation auf jedem webOS Gerät vorinstalliert.
Das Buch macht keine Hoffnung darauf, dass Entwickler Zugriff auf den Betriebssystem Kern erhalten können. Eine als UI System Manager bezeichnete Komponente abstrahiert den Zugriff und gewährt über das Mojo Framework kontrollierten Zugriff auf Services (WLAN, GPS, Mobilfunk etc.), die vom webOS offeriert werden. Der Zugriff erfolgt zentral über ein serviceRequest Objekt, das JSON-Objekte entgegennimmt und entsprechend Rückgabewerte liefert.
Das Buch deutet bereits an, wie man Anwendungen schreiben muss. Die erste Karte der Anwendung ist tatsächlich eine HTML-Datei mit dem Namen index.html. In ihr werden über div-Container Bildschirmelemente wie Buttons oder Checkboxen, sogenannte Widgets, definiert und mit CSS formatiert und positioniert werden. Möglich sind natürlich auch EventListener und viele weitere Elemente höherer Programmiersprachen. Ich bin Web-Entwickler und habe den kleinen, unvollständigen Beispielcode zwar verstanden. Dass jeder Website-Entwickler damit ruckizucki eine Webanwendung in eine pre Applikation umwandeln kann, wage ich aber mal stark anzuzweifeln. Verbindliche Aussagen kann man dazu aber erst treffen, wenn man das SDK ausprobiert hat.
[...] Einführung in die Welt des webOS Posted Februar 20, 2009 Filed under: Palm | Tags: Mojo, Palm, Palm Pre, SDK, webOS | Torsten Bergmann von Nexave.de hat einen längeren Artikel über webOS geschrieben, welcher einen guten Überblick gibt. Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Finden kann man den Artikel hier: Link zum Artikel [...]
[...] Torsten Bergmann von Nexave.de hat einen längeren Artikel über webOS geschrieben, welcher einen guten Überblick gibt. Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Finden kann man den Artikel hier: Link zum Artikel [...]