Bericht von der Pressekonferenz
Palm stellt webOS und den Pre vor

In einer Pressekonferenz, die knapp über eine Stunde dauerte, stellte Palm heute im Rahmen der CES Consumer Electronics Show in Las Vegas sein neues, mobiles Betriebssystem webOS (ehem. Codename: Nova) vor. Die Hoffnungen der Palmuser wurden erfüllt: Es wurde auch ein Gerät vorgestellt, das mit dieser neuen Plattform funktioniert: Der Pre. Er ist kein Treo mehr, sondern eröffnet eine neue Geräteserie.
Das Vorgestellte stellt alles bisher aus dem Mobile Computing Bekannte in den Schatten.
Nach einer kurzen Einführung von Rubinstein, der ein paar Worte zu seinem Wechsel zu Palm verlor, ging es ans Eingemachte. John Rubinstein erzählte, dass er von Evelation Partners angerufen wurde, während er am Strand war.

Easy Jobbing bei Palm
pre – das Smartphone mit Multitouch-Touchscreen und Hardware-Tastatur

Der auf webOS basierende Pre hat eine Display-Auflösung von 320×480 Pixel, eingebautes GPS und Bluetooth, Wireless LAN (g), 8 GB internen Speicher und einen schnellen Prozessor. Es handelt sich hierbei um den neuesten Prozessor von Texas Instruments, der in dieser Form noch in keinem Gerät verbaut worden sein soll. Der Touchscreen ist ein Multitouch-Modell wie beim iPhone, kann also mehrere Finger gleichzeitig registrieren. So können etwa Fotos und Websites gezoomt werden. Das Gerät hat einen Lagesensor wie das iPhone und dreht den Bildschirminhalt, wenn man das Gerät dreht. Das wurde z.B. beim integrierten Webbrowser demonstriert und beim Dashboard, dem Desktop des Systems. Soweit ich mich erinnere, dreht sich der Launcher beim iPhone nicht, wenn man das Gerät dreht. Außerdem gibt es einen Ambient Light Sensor. Was der genau macht, weiß ich nicht – vielleicht die Helligkeit regeln. Dieser regelt die Helligkeit des Displays (vgl. Pressemitteilung). Auf der Geräterückseite gibt es eine 3 Megapixel Kamera mit Blitz. Mit einer DSP-Software sollen besonders gute Fotos möglich sein. Den gesamten Gerätedeckeln kann man abnehmen, dahinter befindet sich ein Wechselakku. Diese Tatsache dürfte das Gerät für viele Geschäftsleute interessant machen, insbesondere gegenüber dem iPhone. Verbindung zum PC nimmt der Pre über einen Mini-USB-Port Micro-USB-Port auf. Im Gegensatz zu anderen Smartphones kann das Gerät auch als USB-Host dienen und Mass Storage Geräte wie externe Festplatten, Kartenleser oder USB-Sticks auslesen. Das ist genial! Das Gerät wird als Wechselspeicher erkannt, wenn man es an den PC anschließt. Das macht den Datenaustausch viel leichter, insbesondere wenn es um Dokumente und Audiodateien geht. Es gibt auch einen Anschluss für Kopfhörer, und dieser ist endlich einer für 3,5mm und nicht wie bei den alten Geräten einer mit 2,5mm. Günstige Standard-Headsets lassen sich so einfach verwenden. Der Anschluss ist auf der Geräteoberseite neben dem bereits von älteren Geräten bekannten Ringer Switch, der den Pre auf einmal ruhigstellt.



Die Vortragenden machten keine Aussagen über mögliche Kartenslots. Ich gehe davon aus, dass es keine Speicherkarten-Slots gibt. Es gibt wohl auch keinen Stylus mehr. Alles soll mit dem Finger gemacht werden.
Nach unten schiebt sich das Gerät auf und zeigt dann eine Treo-ähnliche Tastatur. Auf eine langsame Onscreen-Tastatur kann man somit getrost verzichten. In ausgezogenem Zustand ist das Gerät leicht gebogen und macht einen sehr coolen Eindruck. Hier ein Größenvergleich mit anderen aktuellen Smartphones.

Beginnt man zu tippen, sucht der Pre in Form einer inkrementellen Livesuche auf dem Gerät nach Daten, die mit dem eingegebenen Suchbegriff übereinstimmen. Findet es keine, bietet es selbstständig die Suche in Google, Googlemaps und in Wikipedia an. Der Pre ist als „always on“-Gerät designt und immer mit dem Internet verbunden.
Unter dem Bildschirm befindet sich ein Button. Wozu der da ist, wurde nicht richtig erklärt. Obwohl es keine anderen Buttons auf der Frontseite gibt, dient die gesamte untere Geräteseite als „Gesture Area“. Hier erkennt das Gerät Eingaben. Wo man hindrückt, wird die Eingabe registriert. Mit einem Swipe von dort nach oben gelangt man zum Dashboard. Dies alles wurde auf der Pressekonferenz anhand eines echten Geräts gezeigt, das per Kamera auf einen Beamer übertragen wurde. Zur Verfügbarkeit des Pre lediglich noch Pro Forma Steps möglich, wie Zertifizierungen usw., sagte Colligan.
webOS fasst verschiedene Datenquellen zusammen
Die UI und die Anwendungen des pre Smartphones wurden von Matías Duarte von Palm vorgestellt.
Die Kontaktanwendung ist der des iPhones recht ähnlich. Man kann hindurch scrollen, mit dem Finger wieder stoppen usw. Was neu ist: Die enthaltenen Daten sind ein Produkt oder können ein Produkt mehrerer Datenquellen sein. Der Pre zeigt keine Kontakt-Duplikate an, sondern gibt mit einer Nummer an, von wie vielen Datenquellen dieser Kontakt hier in zusammengefasster Form angezeigt wird. So kann z.B. ein Kontakt aus Google und Palm Calender (was immer dies sein mag) stammen: Die eine Telefonnummer kommt von Google und die E-Mail von Palms PIM-Applikation.

Dasselbe gilt für den Kalender, der mehrere Datenquellen zusammenfasst. Farben für Kategorien (oder verschiedene Datenquellen?) zeigen hier die Zugehörigkeit der Termine an. Neu ist, dass eine freie Zeit zwischen Terminen aktiv dargestellt wird. Hier stehen Infos wie „3 Hours Free time“. Das ist praktisch, damit man sieht, ob sich die Verplanung lohnt. Das Erstellen eines Termins ist so einfach wie bei keinem anderen System, das ich kenne, und angelehnt an das gute alte Palm OS. Einfach die freie Zeit aufklappen, auf die Zeit tappen, lostippen und das war es bereits.


Auch beim Messaging zeigt sich die Plattform-Unabhängigkeit. Eine per Instant Messenger gestartete Konversation kann problemlos per SMS weitergeführt werden. Über ein Dropdown Menü rechts oben kann in der Messaging-Anwendung einfach ausgewählt werden, über welches Medium die Meldung verschickt werden soll. Der Instant Messenger Onlinestatus eines Kontakts wird übrigens direkt in der Kontakte-Applikation angezeigt. Sehr praktisch.

Hier zwei Fotos von der Foto-Applikation:



webOS beherrscht perfektes Multitasking
webOS arbeitet mit einem Dashboard als eine Art Desktop, das alle geöffneten Anwendungen in Form von Karten darstellt. Mit Swipes nach links und rechts kann man durch die offenen Anwendungen scrollen. Gezeigt werden dabei Screenshots der Apps, die live den Status der Anwendung repräsentieren. Soll eine Anwendung geschlossen werden, schiebt man sie aus dem Dashboard nach oben raus. Das ist alles.

Läuft in einer Applikation also ein Video, läuft dieses auch Live im Dashboard weiter. Mehrere Webbrowser Instanzen können hier simultan gestartet werden, ebenso wie ein Dialog zum Verfassen einer E-Mail aufgerufen werden kann, während in einem anderen „Fenster“ weiter die vorhandenen E-Mails durchsucht werden können. Das ist schon etwas Neuartiges und sehr nützlich. Mehrere E-Mail-Accounts können gleichzeitig verwendet werden, der Pre bietet eine gemeinsame Inbox für E-Mails aus allen Accounts und durchsucht beim Tippen des Absenders live die Adressdatenbank und einen Exchange-Server, falls vorhanden.


Gespeichert werden muss wie schon beim Palm OS nichts. Es wird im Hintergrund alles synchronisiert. Was bisher nicht geklärt ist, ist ob es eine Sync-Software und eine PIM-Software auf PC-Seite gibt oder ob alles online verfügbar ist. Da die Vortragenden immer wieder hervorhoben, dass der Pre unterschiedliche Datenquellen aus dem Internet zusammenfasst und den Zugriff darauf bereitstellt, nehme ich persönlich an, dass es entweder keine Palm Desktop-ähnliche Anwendung auf dem PC mehr gibt, oder aber einen Palm Onlineservice. Ich werde das gleich versuchen zu klären, denn man kann in einer Lounge noch Fragen stellen.
Obwohl es einen Palm OS und iPhone ähnlichen Programmstarter gibt und keine Palm-üblichen 4 Hardware-Buttons mehr, gibt es noch einen Schnellstarter. Er heißt „Quick Wave Launcher“ und wird mit einer Geste auf der Gesture Area aufgerufen. Er ist ähnlich wie beim MacOS designed. Man sieht an folgendem Screenshot, dass sich der Launcher nur über die offene App legt, die dann noch halbtransparent im Hintergrund bleibt.

Copy und Paste soll übrigens auch möglich sein, schreibt Newsweek (Seite 2).
webOS Notification Manager
Den Notification Manager von Palm OS kennen wir noch alle: Er hat sich über ein Glockensymbol links oben bemerkbar gemacht und konnte alle verpassten Termine und Aktionen auflisten. Bei anderen Systemen haben wir häufig das Problem, dass eine Meldung zwar angezeigt, nach dem Wegklicken aber verschwunden ist und nicht mehr zurückgeholt werden kann. webOS hat auch einen Notification Manager. Meldungen werden an der unteren Bildschirmkante angezeigt, hier stehen auch Instant Messenger Nachrichten. Was genial ist: Man kann oben ungestört weiterarbeiten.

Ist es ein Termin, kann man ihn zurückstellen (Snooze), auf OK tappen oder die Meeting-Teilnehmer kontaktieren. Beachtet man die Meldungen des Notification Managers nicht, werden sie zu Symbolen und verweilen am unteren Bildschirmrand, bis man sie anschaut.

Wie vom Palm OS gewohnt kann man den Manager dort aufrufen und alle Notifications sehen. Man muss dann auch nicht alle auf einmal wegklicken, sondern man kann sie selektiv nach rechts aus dem Bildschirm schieben, dann verschwinden sie aus dem Manager.

Weitere Partner

Als weitere Partner wurde unter anderem Amazon gelistet. Im System befindet sich ein Musicplayer, mit dem man durch Alben sliden kann (wie beim iPhone) und den man auch über den Notification Manager bedienen kann.

Insgesamt eine sehr komfortable Sache. Speisen wird man ihn vermutlich über den Mass Storage Support, aber laut CNET ist es auch möglich, direkt vom Gerät MP3s aus dem Amazon Music Store zu ziehen. Wir wissen nicht, ob das auch aus Deutschland funktioniert.
Als Partner ist auch Dataviz gelistet. Hier ist wieder mit einer Office-Applikation zu rechnen. Gezeigt wurde sie allerdings nicht.
Einfache Erweiterungen, Anwendungen selbst programmieren
Rubinstein und Colligan hoben immer wieder hervor, wie einfach es sei, eigene Anwendungen für das System zu entwickeln. Benötigt würden hierfür Kenntnisse in HTML, Javascript und CSS. Das soll tatsächlich reichen, selbst um das Dashboard mit eigenen Wetterapps usw. zu erweitern.

Das ganze in Kombination heißt dann Mojo Application Framework, wie dem Developer Bereich auf der Palmsite zu entnehmen ist. Über die Kompatibilität mit alten Anwendungen wurde nicht ein Wort verloren, außer dass eine Migration einfach möglich sein soll. Für mehr Informationen kann man auf der Palm Developer Website einen RSS-Feed abonnieren. Das Mojo Kit scheint auch nicht die einzige Möglichkeit zu sein, Anwendungen zu entwickeln.
Induktionsladestation “Touchstone”

Außerdem stellte Palm eine Ladestation vor, die nur ein großer Knopf ist. Man kann den Pre auf diesen “Touchstone” legen, er haftet durch ein Magnet und lädt über Induktion auf. Bei eingehenden Gesprächen muss man ihn so nicht mehr kompliziert aus der Ladestation entnehmen. Nimmt man das Gespräch an, während das Gerät in der Ladestation steckt, wird automatisch die Freisprecheinrichtung eingeschaltet. Scheinbar ist der Pre ab Werk entsprechend für die Station gerüstet. Es sah nicht so aus als würde ein spezieller Akkudeckel benötigt. Wie der Palm-Zubehör-Seite zu entnehmen ist, ist für den Lader allerdings ein spezieller Akkudeckel erforderlich, den man separat erwerben muss.

Die Palmaktie ist heute um 35% gestiegen (vgl. Yahoo Finance). Wann der Pre in Europa verfügbar ist, ist mir noch nicht bekannt. Ich versuche das herauszufinden. Der erste Release-Partner ist wieder Sprint. Wahrscheinlich wird der Pre damit nicht von vorn herein als GSM-Gerät verfügbar sein, wie man es in Europa benötigt. In Amerika kommt der Pre noch in der ersten Jahreshälfte 2009. Colligan betonte: „Wir geben Gas und sind so schnell wie wir nur können“. Naja, in den USA zumindest. In der Pressemitteilung von Palm steht immerhin auch „UMTS“ bei den technischen Daten, das deutet darauf hin, dass eine entsprechende Geräteversion geplant ist.
Hier meine Videos von der Konferenz (von mir selbst für euch aufgenommen)
Palm webOS Dashboard:
http://www.youtube.com/watch?v=TShV3ZD0A_A
Kontakte-Applikation:
http://www.youtube.com/watch?v=HmTK3yP8SL0
Quickwave-Launcher:
http://www.youtube.com/watch?v=dcyJLaK4YBI
Eingabe eines Termins:
http://www.youtube.com/watch?v=VMeUIRjRSc4
webOS Livesearch:
http://www.youtube.com/watch?v=57BFIeI2V0k
webOS Web browsing und Device Flipping (Drehen des Bildschirminhalts):
http://www.youtube.com/watch?v=G4A1b5yW-_I
Hallo Thorsten, wir haben dich schon alle sehr vermisst
Freue mich jetzt um so mehr, etwas zu hören
wir sind schon alle aufgeregt und hoffen auf weitere details, pic und tc haben uns live informiert. was is denn eigentlich nun mit abwärtskompatibilität? ist das phone ständig eingewählt oder läuft und synct das auch ohne internet?
[...] Quellen: endgadget gdgt.com nexave.de [...]
@Torsten: Ich hatte “NATIVE MASS STORAGE SUPPORT” so verstanden, das der Pre als Massenspeicher erkannt wird – nicht andersherum?
Abwaertskompatibilitaet zu Garnet-Anwendungen ? Clipboard vorhanden ? – Danke + Gruss P2
Hallo,
wurde schon etwas zu Maßen, Gewicht und Verfügbarkeit mitgeteilt?
Grüße,
Tom
Guter Bericht, aber die von Palminfocenter und gtdt und treocentral waren schneller (liveblogging).
Fang doch mal nen neuen Eintrag an. Weiß ja schon niemand mehr wann und ob Du was aktualisiert hast.
Sehr schoene Zusammenfassung – toll gemacht!
Ich bin froh, dass ich die Hoffnung in Palm nie aufgegeben hatte
Danke für die Infos!
Gruß
Thomas
Ich denke, du warst genau der Richtige für die große Reise.
Sehr gut, dass alles schön ausführlich beschrieben ist (und weiterhin wird, wie ich sehe).
Wow. Ich hab nen 5 Tage alten Centro und bin noch immer begeistert. Aber das ist der Hammer!!!! Und tschüss Apple !!!! Die Geschwindigkeit sieht wie nen Palm OS. Wenn sie es mit der Stabilität genauso hinbekommen haben…….. WOW. Denn für die Apps denke ich wird die Comunity schon sorgen. Und wenn Geld von nöten ist… dann wird halt gesammelt. Apropos.. wird noch Geld für die Reise benötigt??
Lieber Torsten,
astreine Arbeit – für den Zusammenbruch des WLANs kannst Du ja nix.
Dein Bericht ist sehr schön zu lesen und macht Appetit auf das neue webOS.
Müssen wir unsere PUGs jetzt in WUGs umbennen?
Wow, bin auch begeistert! Da können wir uns ja alle auf ein (größtenteils) tolles Endgerät mit (ebenfalls) tollem OS freuen. Leute, ick freu mir!
@Torsten: Super Leistung! Die Videos sind auch von toller Qualität! (Bist halt’n Profi!)
Gute Heimreise!
Palm Pre wird von HTC hergestellt, das habe ich gehoert.
Hardware: TI Omap 3440 800Mhz, 256 mb Ram, 8Gb Flash.