Palm Pre: Updates manuell aufspielen

Betriebssystem-Updates erhalten webOS Smartphones “over-the-air” von Palm. Das Telefon fragt in regelmäßigen Abständen bei den Palmservern nach, ob eine neuere Version des webOS Systems bereit steht. Falls ja, gibt es einen entsprechenden Hinweis.

Einige Palms erhalten keine automatischen Updates…

Unklar ist bisher, wieso einige Palm Pres in Deutschland nie eine Updatebenachrichtigung erhalten. Da wir zwei Palm Pres im Haushalt wurden, wurde ich bereits zweimal Zeuge dieses kuriosen Schauspiels. Beim vorigen Update auf Palm OS 1.4 dauerte es beim Pre meiner Freundin nach der Veröffentlichung des Updates noch zweieinhalb Wochen, ehe der Pre sich plötzlich meldete und angab, dass es eine “neue” Version des Systems gab. Selbst eine manuelle Suche gab bis dahin stets an, dass der Palm “up to date” sei. Kurios: Will Palm mit diesem Updatemechanismus einmal kritische Sicherheitslücken schließen, wäre eine solche Verzögerung nicht gerade schön. Ich habe sogar noch eine andere Geschichte auf Lager: Mein eigener Palm Pre erhielt nie das Update auf Version 1.4.1. Meine Freundin erhielt das Update am ersten Tag. Mutmaßungen, dass Palm die Updates schneller an o2 Kunden verteilt, kann ich nicht bestätigen, da meine Freundin bei E-Plus ist und ich bei o2 bin. Ich jedenfalls habe mich entschieden, das Update manuell aufzuspielen, weil ich im App Catalog nur noch eine kleine Teilmenge aller verfügbaren Apps angezeigt bekam. Und das fand ich nicht so gut.
Mit dieser Anleitung erkläre ich, wie man ein Update manuell einspielt.

Der webOS Doctor

Der webOS Doctor ist ein Java-basiertes Programm von Palm, das das Betriebssystem bei webOS Smartphones neu aufspielt. In der Computersprache würde man sagen: Ein Flashing-Tool. Der webOS Doctor greift am Betriebssystem des Palms vorbei auf den ROM (Read Only Memory) des Palms zu und beschreibt ihn neu mit einem Betriebssystem.

Wann nutzt man den webOS Doctor?

Der webOS Doctor wird verwendet, um einen “verkorksten” Palm wiederherzustellen. Beispielsweise dann, wenn das Gerät nicht mehr startet oder ein seltsames Fehlverhalten aufweist. Vermutet man einen Defekt bei seinem webOS Smartphone, kann man mit dem webOS Doctor einen Reparaturversuch starten und so einen Softwaredefekt ausschließen, ehe man sich bei Palm wegen eines Hardwaredefekts meldet.
Darüberhinaus eignet sich der webOS Doctor auch, um Palms ein neues Betriebssystem aufzuspielen, wenn sie sich weigern, ein Update über die Updatefunktion einzuspielen. Bei manchen Palms werden Updates wie gesagt nicht gefunden, bei anderen werden sie gefunden und heruntergeladen, sind aber korrupt und nicht installierbar.

Nutzung des webOS Doctors

Die Nutzung des webOS Doctors ist nicht ganz einfach. Der Grund dafür ist, dass die Verwendung fast nirgendwo dokumentiert ist und man die Downloadlinks auf der Palm-Seite auch nicht so einfach findet, wie man es sich wünschen würde. Mir half letztendlich ein Howto auf webos-internals.org, das die Verwendung beschreibt.

Der Download-Link von vielen HowTo-Seiten führt ins Leere, dabei ist er ganz einfach zu merken, wenn man auf der obersten Ebene einsteigt: palm.com/rom

Nachdem man die Seriennummer des eigenen Palms (abrufbar in den Geräteinfos im System oder unter dem Akku) eingibt, wird einem automatisch die neueste Version des webOS Doctors zum Download angeboten. Die Website prüft auch, ob man Java in der neuesten Version installiert hat. Ist das nicht der Fall, wird es zum Download angeboten. Danach startet der Download des webOS Doctors. Diesen kann anschließend per Doppelklick starten. Da es Java ist, nehme ich an, dass es auch unter MacOS funktioniert. Der webOS Doctor wiederum startet seinerseits den Download des passenden webOS Betriebssystems von den Palm Servern. webOS 1.4.1 ist etwa 220 MB groß.

Im Anschluss verlangt der webOS Doctor, den Palm anzuschließen. Eigentlich sollte er dann automatisch erkannt werden und der Updatevorgang sollte starten. Bei vielen tut er das aber leider nicht. Auch das Versetzen in den USB-Laufwerksmodus half bei mir nicht. Das hilft: Palm in den USB-Modus versetzen, den sogenannten Bootloader Recovery Mode. Gemeint ist nicht der USB Laufwerkmodus! In den USB-Modus kommt man, indem man den ausgeschalteten Palm auf besondere Weise startet: Lautstärke-hoch-Taste drücken und gedrückt halten, dann Power-Taste betätigen und gedrückt halten. Dann warten. Der Palm zeigt dann ein großes USB-Symbol.

Bei mir hat das allerdings nicht geholfen. Es kam ein Symbol mit einem Stecker. Steckte ich den Stecker ein, passierte nichts. Was ich falsch gemacht hatte: Das Kabel muss von Anfang an eingesteckt sein. Steckte ich aber das Kabel ein, startete der Palm stets in den normalen Modus. Eine Krise später fand ich den entscheidenden Hinweis erst auf der verlinkten englisch-sprachigen Website: Man muss den Palm mit angeschlossenem USB-Kabel ausschalten. Dann nämlich kann man ihn auch auf die oben beschriebene Weise starten und der USB-Modus funktioniert.

Der Rest funktioniert dann vollautomatisch. Man muss nur darauf achten, das Kabel nicht während des Prozesses zu entfernen. Auch der Akku darf nicht entnommen werden. Vielleicht sollte man nur mit einem mindestens halb vollen Akku loslegen. Der Updatevorgang selbst nimmt nicht mehr als 30 Minuten in Anspruch. Das Flashen selbst dauert nur knapp 10-15 Minuten. Ich habe die Neueinrichtung am Gerät schon mitgerechnet.

Das Flashen löscht alle Daten

In einigen Handy-Diskussionsforen, wo viele unerfahrene Palm-Anwender aktiv sind (nicht Nexave), sind sich die Poster uneinig darüber, ob nun alle Daten bei dem obigen Prozess gelöscht werden oder nicht. Die Antwort ist: Jein.

Beim Flashen mit dem webOS Doctor wird der interne Gerätespeicher gelöscht, der alle Programme und Programm-zugehörigen Daten enthält. Es ist so ähnlich, als wenn man bei einem PC die Festplatte formatiert. Der obige Befehl, der den USB-Modus startet, wäre dann auf dem PC vergleichbar mit der BIOS-Ebene.

War der Palm vorher mit einem webOS 1.3.1 oder neuer ausgestattet, bleiben die Daten auf dem USB-Laufwerk des Pres beim Flashen erhalten: Bilder, Audio, Videos. Dennoch, die Programmdaten liegen im Arbeitsspeicher des Pre und werden gelöscht.

Bis hierhin stimmen die Postings in den Foren also. Was aber viele nicht verstanden haben: Palm arbeitet beim webOS mit einem Recovery-System. Der Palm sichert seine Daten jeden Tag auf Palm Server. Diese Daten sind an das eigene Palm-Profil gebunden, das man beim ersten Start des Pres angelegt hat. Und verbindet man den frisch mit webOS Doctor geflashten Palm mit diesem Profil, statt ein neues anzulegen, werden alle Daten wieder zurück auf den Palm gespielt. Alle Daten? Nein, nicht alle. Der Palm Backupprozess sichert nur Palm-eigene Datenbanken: Kalenderprofile, Mailkonten, Auflistung der installierten Programme. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Das Backup bei Palm enthält nicht die installierten Programme und die eigenen Mails und Termine selbst, sondern die Verknüpfungen zu den Anbietern wie Google Kalender, eurem Mailaccount etc., sowie eine Auflistung eurer installierten Programme, d.h. Verknüpfungen in den App Catalog. Nutzt ihr bei Kalender und Adressbuch das Palmprofil als Ablageort, verlinkt das Backup darauf. Eine Wiederherstellung auf einem anderen webOS Gerät ist deshalb relativ unproblematisch. Aber Kleinigkeiten wie die Anrufliste (Liste eingegangener Anrufe und gewählter Nummern) schließt Palm nicht in sein Backup ein. Das ist nicht wirklich konsequent. Andererseits sind diese Daten nicht kriegsentscheidend. Betrachtet man nun aber ein externes Programm wie einen Passwort-Manager, so muss man wissen, dass das Palm Backup nur die Information enthält, dass das Programm installiert war. Nicht jedoch die Daten des Programms. Wenn das Programm seine Daten mit einem Internet-Anbieter synchronisiert, dann wird es sich auch bei dem geflashten Palm wieder mit dem Profil im Internet verbinden und die Daten sind wieder im Zugriff. So hat es Palm sich eigentlich gedacht. Viele Programme sind aber noch nicht so weit entwickelt und legen ihre Daten rein lokal im Palmspeicher ab. Dann natürlich stehen die Daten bei einem geflashten Palm nicht mehr zur Verfügung.

Bis Ende März 2010 konnte man Sims 3, Need for Speed und Monopoly kostenlos im App Catalog herunterladen. Wer die Software installiert hatte, konnte sie auch danach noch problemlos nutzen, nur herunterladen konnte man sie nicht mehr. Wer aber seinen Palm geflasht, hardresettet oder gewechselt hat (technisch gesehen hat alles dasselbe zur Folge: einen jungfräulichen Palm) und sich wieder zu seinem Palm Profil verbunden hat, stellte fest, dass alles mögliche wiederhergestellt wurde, nur eben diese drei Spiele fehlten. Der Grund ist oben genannt: Das Backup bei Palm enthält nur eine Liste der installierten Software, nicht die Software selbst.

Die Frage, welche Daten nach einem Flash mit dem webOS Doctor nun wirklich weg sind, ist also so leicht nicht zu beantworten. Die wichtigsten Daten sind meiner Meinung nach im Kalender und im Adressbuch zu finden. Und diese Daten stehen nach dem Flashen und dem Verbinden zum Palmprofil sofort wieder zur Verfügung. Das ist doch das wichtigste, wenn man z.B. unterwegs ist.

2 Kommentare zu “Palm Pre: Updates manuell aufspielen”

  1. Drachentoeter sagt:

    Meldet man sich nach dem manuellen Aufspielen eines Updates an seinem Palm-Profil an, kostet dies eine SMS ins Ausland. Da der Pré einmalig nach Anmelden im Palmprofil nach Hause simst. Dies kostet bei Eplus zum Beispiel 39 Cent. Gut, das fällt jetzt nicht so ins Gewicht, aber falls Ihr Euch bei Eurer Handy-Rechnung über eine Auslands-SMS wundert, obwohl Ihr niemandem im Ausland geschrieben habt, ist das der Grund!

    Ansonsten sehr gutes Tutorial-hatte keine Probleme nach dieser Anleitung das Update 1.4.1 manuell aufzuspielen!

    Beste Grüße!

  2. Danke für den Hinweis. Also bin ich nicht alleine mit diesem Problem. Und soeben startet mein Pre neu. Ich bin gespannt, was an Daten noch da ist.

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