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Im Herbst 2008 soll der Nachfolger des Palm OS vorgestellt werden. Eine Zwischenbilanz.
Naja, so langsam wird es ja irgendwie Zeit, oder nicht. Wann ist Herbstanfang? Der meteorologische Herbstanfang war am 01.09., der kalendarische ist am 22.09. (hab ich hier gelesen), aber wann kommt nun dieses Neue Dings, dieses Nova? Weiß keiner, toll!
Was ist schon Nova?
Ich frage mich gerade, was ich eigentlich über Nova weiß. Da gibt es nicht viel. Ich weiß, dass es kompatibel zu den aktuellen Palm Programmen sein soll, und dass es eine neue Art mit sich bringen soll, wie man seine Daten verschiedener Herkunft verwaltet (Nexave berichtete). Ich höre da immer wieder die Aussage eines Palm Mitarbeiters vom Palm User Meeting 2008 in Hannover: "Wird es überhaupt noch wichtig sein, mit welchem Betriebssystem wir arbeiten?". Schon etwas länger versuche ich mir jetzt vorzustellen, was das System denn tolles sein soll. Ein Problem gibt es ja bei der Sache von vorn herein: Je länger es noch dauert, desto höher ist die Erwartungshaltung, und das ist nicht gut. Desto eher kommt dann auch der Punkt der Enttäuschung, auch ohne dass überhaupt etwas vorgestellt wurde.
Zurück zum Thema, was "Nova" nun bringen soll. Zugriff auf alles egal welcher Herkunft. Das klingt nach Unterstützung großer Synchronisations- und Zugriffsstandards. Kann Nova auf Windows-Freigaben (Samba) zugreifen oder per FTP Dateien austauschen? Sprechen sie von SyncML, dem offenen Standard zum PIM-Abgleich? Irgendwas fertiges müssen sie ja einbauen, denn um etwas neues zu bringen ist es etwas, naja, ich sage mal ganz deutlich: zu spät. Ich nehme mal an, man wird sich einen fertigen Standard nehmen und mit einem Magic coolen Markennamen belegen und ihn verkaufen.
Kompatibel
Dann soll das neue System die alten Anwendungen ausführen kann. Oh - mein - Gott. Ich bin ganz ehrlich: Ich wäre sehr dankbar, wenn dem nicht so wäre. Über die Hälfte auf meinem Centro sind systemnahe Softwareprodukte, die können schon mal gar nicht mehr gehen. Was bleibt sind reine Anwendungsprodukte, etwa Documents To Go. Das ist eigentlich das wichtigste Tool auf einem Palm, aber bei mir stürzt es immer ab. Das brauche ich auf dem Nachfolger des Palm OS nicht. Was ich sonst noch gebrauchen könnte wäre ein ordentlicher PDF-Betrachter, alles was es da für den Palm gibt sollte vielleicht auch besser nicht weiterlaufen. Agendus und DateBK könnt ihr euch unter Palm OS II auch abschminken, oder glaubt ihr die PIM-Struktur ist zufällig so identisch, dass das neue System alle Eingaben mappt? Es wird neue Felder geben, so dass der Einsatz alter Software kaum sinnvoll ist. Kompatibilität ist toll, wenn man Bejeweled unter Nova spielen will, da bin ich dabei.
Was ein gutes System ausmacht
Das führt mich zu der Frage, was denn ein gutes mobiles Betriebssystem ausmacht (eingeschoben der Hinweis, dass ich diesen Artikel nicht geplant habe und einfach gerade alles runterschreibe, was mir so einfällt). Das ist eine sehr gute Frage, die sich aber offenbar keiner richtig beantworten kann. Wieso gibt es denn sonst nicht das Betriebssystem? Scheinbar ist die Technik noch nicht so weit. Dabei sind die Fragen schnell beantwortet: Ein System muss leicht zu erlernen und schnell zu bedienen sein, muss erweiterbar sein/Unterstützung finden und praktikabel sein. Leicht erlernen heißt, dass wenn ich meiner Mutter das Dingen in die Hand gebe, dann muss die das begreifen. Hat sie beim Tungsten T3 umgehend getan. Hat sie auch beim iPhone getan, da hat sie die Tastensperre gelöst und rumgespielt, obwohl sie iPhone wohl bis dahin noch als "eifon" buchstabiert hätte. Das iPhone ist super einfach zu erlernen. Zweitens: Schnell zu bedienen. Der Palm ist ultraschnell zu bedienen. Er hat fast keine Verzögerungen bei der Bedienungen, weil die Oberfläche sofort auf Eingaben reagiert. Das ist das A und O für Poweruser eines mobilen Systems. Es gibt kein System, das schneller ist als Palm OS. Dicht dahinter ist das iPhone Betriebssystem, was hier schon wieder punkten kann. Das iPhone reagiert super, hakt aber auch an einigen wenigen Stellen. Aber insgesamt ergibt sich ein smoothiges Gesamtbild und das funktioniert. Aber es kann keine Menübefehle, um häufig benötigte Befehle durch Tastenkombinationen abkürzen zu können. Das ist jedoch wichtig für Poweruser. Ich glaube, dass so richtige Freaks aus einem solchen Grund die Finger vom iPhone lassen. So richtig schön langsam ist das Windows Mobile Betriebssystem. Wer auf einem TyTN II versucht hat, mal eine E-Mail zu schreiben oder den Bildschirm zu drehen, der weiß wieso solch ein System nicht der Weißheit letzter Schluss ist, auch wenn es so viele haben und es wirklich nicht übel ist. Symbian ist von der Geschwindigkeit her in Ordnung, aber das Bedienkonzept ist zu inkonsequent. Jedes Programm verfolgt ein eigenes Bedienkonzept, es gibt kaum einen vorgeschriebenen Ort, wo man ein Menü findet. Natürlich hat dann auch nicht jedes Telefon einen Menü-Knopf, sondern die Programe sind immer auf die Tasten des jeweiligen Telefons zugeschnitten. Ich fand die Bedienung des von mir getesten P1i in diesem Zusammenhang zu kompliziert. Ich bin der Ansicht, dass diese Problematik Symbian den Weg in die Massen-Anwenderschaft verbaut hat. Symbian ist auf den meisten mobilen Geräten installiert, und keiner weiß es (Nokia hat das System falsch vermarktet). Thema Erweiterbarkeit: Es ist doch ein Unterschied, ob ich ein Telefon kaufe wo ich sonst nichts draufspielen kann oder wo der Hersteller des Systems erst jedes Produkt durchcheckt, bevor ich es offiziell benutzen darf. Bei Symbian war das so und beim iPhone war das so geplant und es ist immer noch teils so. Man kann zwar Programme für das iPhone schreiben, aber nicht einfach weiterverkaufen. Dazu muss man den AppStore benutzen, und die Programm darin werden alle geprüft. Gut für den Anwender, weil er geprüfte Applikationen erhält. Schlecht für das System, weil die Verbreitung behindert wird. Auf dem Palm kann man ein Programm schreiben und einfach weitergeben. Es könnte so einfach sein. Beim iPhone muss man sein Gerät erst "jailbreaken". Danach hat man eine ultra-stylische Unix-Box in der Hand, inklusive Terminalzugriff. Dem Linux-Freund juckt es in den Fingern. Soviel Potenzial, alles geht. Schade, nur nicht offiziell. Obwohl ich gerade deshalb momentan ein iPhone nutze, schreibe ich dem System aufgrund seiner Geschlossenheit derzeit kein großes Potenzial zu. Vierter Punkt: Es muss praktikabel sein. Wenn ich mit dem iPhone im Internet surfe, ist das praktikabel, weils ordentlich funktioniert. Seiten groß machen, Eingaben tätigen, Seite wieder klein machen, scrollen, Seite wieder groß machen, klicken. Super. Nebenbei meine Musik am Laufen. Praktikabel, weil: Geht! Deshalb lade ich auch meine Musik bei iTunes und zieh die nicht bei eMule und co, weil: Geht! Dann will ich nen Termin aufm iPhone eingeben und kann Kategorien nur über iCal auf dem Rechner nutzen, habe aber mobil keine Kategorien. Notizen werden gar nicht synchronisiert. Und die ganze Synchronisation läuft über mein Musikverwaltungsprogramm iTunes. Das funktioniert zwar, aber ist nicht praktikabel, weil: iTunes ist ein Musikprogramm und kein HotSync-Manager. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Wenn ich mit nem Palm OS Gerät nicht mal ein Telefon und WLAN in einem Gerät haben kann, was ist das dann? Unpraktisch!
Das ist meine Sicht der Dinge, wenn es darum geht, was an einem mobilen Betriebssystem wichtig ist. Wie seht ihr das?
Was stelle ich also fest? Von der Schnelligkeit her ist Palm und Apple sehr gut, von der Erweiterbarkeit ist Palm gut, von der Verbreitung her ist Windows und Palm gut, von der Praktik her ist Palm sehr gut aber dann auch wieder nicht.
Auld Lang Syne
Also jetzt stehen wir alle wirklich zwischen den Stühlen. Gebt es doch zu, wo sind die Anwender im Palmforum hin? Wir sind alle noch da, weil wir halt noch da sind. Aber ihr habt fast alle ein Zweitgerät, ein iPhone oder ein E71, oder ein Windows Gerät. Wo ist die Zeit, wo wir über Probleme mit dem Palm diskutiert haben, und zwar nicht über knarrzende Tastaturen, sondern über praktische Probleme. Was ist passiert? Haben wir alle Probleme gelöst? Ja! Ja, wir haben alle Probleme gelöst, und das ist unser Problem. Ich habe mir Monate lang den Kopf zerbrochen, wieso die Postingrate sinkt und wieso alle Leute abwandern. Weil alle Probleme gelöst sind? Ja, so ist es. Zumindest wenn man es auf den Punkt bringt. Natürlich sind nicht alle Probleme gelöst, die wir mit dem Palm haben, aber wir haben für alles eine Lösung geschaffen, wofür es sich mit dem Palm lohnt eine Lösung zu schaffen. Wir haben die besten PIM-Tools, die besten Datenbanken, die besten kleinen Tools zum Hin- und Herverwalten. Wir haben alles, wir haben die Hufeisen, wir haben die Glücksschweine, wir werden niemals dumm dastehen, wenn wir einen Palm haben. Aber WLAN und UMTS, Multitasking etc. können wir halt nicht programmieren. So und das ist der Punkt. Die Entwicklung beim Palm OS ist stehen geblieben und die Welt dreht sich weiter und wirft uns in der Praxis vor neue Probleme, die wir mit diesem System nicht lösen können. Ihr könnt 20x Opera Mini auf dem Palm installieren, das wird nichts bringen, wenn die Java Virtual Machine wegen schlechter Implementierung abschmiert. Statt was neues zu bringen wird sie aus dem Programm genommen. Die einzige Schnittstelle, die uns noch den Anschluss an aktuelle Software gegeben hat.
Wer Schuld ist
Also ich glaube nicht, dass Palm Schuld ist. Ich bin der Ansicht, dass der Firma eine Kette äußerst unglücklicher Zufälle widerfahren ist, was das Palm OS angeht. Den einzigen Fehler, den ich sehe, ist die Ausgliederung des Palm OS aus dem Grund, eine vom Hardware-Hersteller unabhängige Entwicklung zu gewährleisten. Damit nahm das Unheil seinen Lauf, wie wir heute wissen. Aber damals war die Entscheidung in Ordnung, da hat niemand was gesagt, also werde ich das auch jetzt nicht als Problem darstellen. Jeder macht das in seiner Situation beste draus, das ist ganz klar. Palm hat auch alles richtig gemacht, das System wieder im Quellcode zurückzukaufen und nun was eigenes zu entwickeln. Palm hat es auch richtig gemacht (sogar raffiniert), sich zwischenzeitlich mit Windows Mobile über Wasser zu halten. Erstaunlich und erfreulich, dass es die Firma noch gibt. Wo Palm nur gerade einen Fehler macht, ist vielleicht das Community-Management.
Ja, wo ist jetzt das Problem?
Jetzt frage ich mich, wo das Problem liegt? Ich hab darüber mittlerweile sehr lange nachgedacht. Ich fasse es jetzt mal so zusammen: Es tut weh.
Wieso tut es weh? Es macht ohnmächtig, das Palm OS System aussterben zu sehen. Dabei wissen wir alle, dass es nichts mehr mit Palm OS geben wird. Dafür ist das Sysem viel zu alt. Und wer Palm OS im Nachfolger von Palm OS sucht, wird sicherlich schwerlich Erfolg haben. Wenn alles in Ordnung war, dann hätten wir keinen Nachfolger gefordert. Da wird also mächtig was anders werden. Nur was? Und wann? Und: Was machen wir? Wenn wir diesen Gedanken weiterspinnen und meinen, dass Nova was ganz neues ist (denn sonst hätte Palm uns ja irgendwie mehr dazu verraten und die Anwenderschaft versucht zu transformieren), dann brauchen wir hier auch Nexave nicht weiterführen. Was soll man Fragen zu einem neuen Betriebssystem zwischen Fragen zu einem alten Betriebssystem mischen? Wenn man es genau nimmt, muss eine Nova Community ein neues Nexave haben. Die ganzen Anleitungen und News sind ja veraltet. Aber wie soll man das jetzt bewerkstelligen? Ein Archiv? Umziehen? Zu Referenzzwecken stehen lassen?
Es tut weh, weil wir nicht wissen, was wir tun sollen. Wir wissen nicht, was kommt, und ob es unsere Anforderungen erfüllt. Wir wissen nicht, ob wir jetzt umsteigen sollen oder ob wir lieber warten sollen. Es geht nicht darum, dass wir jetzt nicht noch mit dem Treo und Centro klarkämen. Die Perspektivlosigkeit dabei macht ohnmächtig. Es wird ja auch keiner seinen aktuellen Zustand toll finden, wenn er perspektivlos ist und man weiß, dass es nur schlimmer werden kann. Wir wissen nicht, wie wir bei Nexave damit umgehen sollen, dass die User im Forum langsam weniger werden, weil es nicht mehr viel zu diskutieren gibt. Wir wissen nicht, ob wir eine neue Community für das iPhone oder Android hochziehen sollen oder ob wir weiter warten und wie oben beschrieben die Erwartungshaltung damit noch höher setzen.
Was ich feststelle und warum ich eigentlich diesen Bericht schreiben wollte: Jeder scheint anders damit umzugehen. Ich zum Beispiel habe jetzt alle wichtigen mobilen Betriebssysteme durch und bin bei jedem so 2-3 Monate geblieben. Aber ob ich zum Palm OS zurückgehe, weiß ich derzeit nicht, aktuell habe ich noch ein iPhone. Aber jedes System hat seine Nachteile. Wie ich in Skyberts Forum gelesen habe, wird dort der Winterschlaf vorgezogen. Schotten dicht machen, nicht mehr posten, warten auf das neue System, ohne Spekulationen. Vivo, BenBuster und Co. haben sich ein E71 mit Symbian gekauft, machen also auch Ausflüge in andere Welten. Ist ja auch legitim.
Das Problem ist halt nur, dass das unsere Community zerreißt und keiner etwas tun kann, um das zu verhindern. Ich hab ja selbst gerade keinen Palm mehr. Weil Palm es nicht geschissen kriegt, seine Anwender ordentlich von A nach B zu führen. Man hätte ja sagen können: Du pass auf, kein Problem, da kommt im Herbst was neues. Wäre ja alles kein Problem gewesen, nur wenn man nichts weiß und wenn man als größtes Palmforum bei Palm nachfragt, wie das denn mit Unterstützung bei der Community-Transformation in Richtung Nova aussieht, dann ist das Resultat - wie man es von der Firma Palm kennt - dürftig. Ich habe zunächst ein "Ich mache mir Gedanken" vernommen, dann hat der Kontakt die Firma verlassen. Dem Nachfolger habe ich mich vorgestellt und keine Reaktion erfahren. Ich habs verstanden: Ich bin nicht wichtig. Dann darf man sich natürlich auch nicht wundern, wenn die Leute weglaufen und sich woanders umgucken. Das hat schon Joachim Westermann gesagt, einst Gründer der ersten deutschsprachigen Palmusergroup, als er sich vom Palm OS abgewendet hat. Der Mann hat meinen Respekt für seine Konsequenz. Vivo hat auch früh vorhergesagt, dass es so kommt wie es kommt. Und so kam es. Alle hatten Recht. Ich denke es war trotzdem eine gute Idee, ein Palmforum bestehen zu lassen. Tja, das Palm OS: Ein Supersystem, jede Funktion ist durchdacht. Da sind kluge Köpfe bei Palm, die sich jetzt zusammenraufen und ein neues, sicherlich geniales System kreieren. Ich bin gespannt darauf.
Tja, was soll ich jetzt abschließend sagen? Es tut irgendwie weh, dass sich so viele vom Palmsystem abwenden, und zugleich bin ich selbst irgendwie drauf und dran, die Leinen zu kappen, aber wir sind eben alle zu Hause im Palm OS. Nur gibt es dieses zu Hause nicht mehr, weil Palm ein völlig anderes System baut, was höchstens etwas kompatibel zum Palm OS sein wird. Palm sieht keine Mittel vor, die Community der Palm OS Anwender in eine Community von Nova Anwendern zu überführen. Mit dieser Unsicherheit hier stehen gelassen zu werden, das tut wie gesagt weh. Kann das irgendwer nachvollziehen?
Was denkt ihr? Wie macht ihr weiter? Wie soll es hier weitergehen? Wie soll man Palm OS Nachfolger Artikel und alte Nexave Artikel unter einen Hut bringen? Habt ihr alle ein Zweitgerät? Was macht ihr während der "Palm Sommerpause" bis Nova kommt? Wie fühlt ihr euch vor dem neuen Wurf von Palm, Vertrauen oder Misstrauen? Habt ihr schon in euch reingehört und geprüft, was für euch die wichtigen Kriterien für ein mobiles System sind?
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