|

In the Box
In dem weinroten Karton befinden sich die üblichen Verdächtigen: PDA, Kurzanleitung, Software-CDs, Netzteil, Lederdeckel. Leider fehlt die Dockingstation, die durch ein USB-Kabel mit HotSync-Taste ersetzt wurde, welches für chronischen Kabelsalat prädestiniert ist. Das Netzteil muss nämlich in den Stecker des Sync-Kabels gesteckt werden, der sich am PDA befindet. Es führen also 2 Kabel zum PDA. Sinnvoller wäre es gewesen auf das Netzteil zu verzichten und den USB-Port als Stromquelle zu nutzen oder zumindest das Einstecken des Netzteils am anderen Ende des Kabels vorzusehen. Der Zubehörmarkt wird aber sicherlich bald ein USB-Kabel anbieten, das ohne Netzteil auskommt.

Das Gerät an sich
Anders als der T1 bis T3 hat der Tungsten T5 keinen Slider mehr. Das 320 mal 480 Pixel große Display steht also jederzeit zur Verfügung und man hat keine anfällige Mechanik mehr. Man muss allerdings einen Längenzuwachs von 1,3 Zentimetern in Kauf nehmen, was ich persönlich für das Wegfallen des nervigen Auf- und Zuschiebens gerne tue. Die Abmessungen sind mit 12,1 mal 7,8 mal 1,5 cm in einem angenehmen Rahmen und die Länge ist etwas geringer, als die eines auseinander gezogenen T3. Auch das Gewicht ist mit 146 Gramm angenehm und sogar 8 Gramm geringer als beim T3.
Das Gehäuse hat nicht viel mit den Vorgängern gemein, sondern ist mit dem des Tungsten E bis auf Farbe und Länge identisch. Die Farbe ist etwas dunkler und wirkt sehr edel. Vermutlich ist sie aber nicht sonderlich resistent gegen Kratzer. Im Gegensatz zu Vorgängern und Tungsten E ist das Gehäuse aus Kunststoff gefertigt, vermutlich um Gewicht zu sparen. Mir persönlich wären aber 20 Gramm Mehrgewicht und ein Metallgehäuse lieber gewesen. Das Gerät liegt gut in der Hand, die Stylusbefestigung ist sicher und dennoch leichtgängig. Die Hardwaretasten sind gut zu erreichen und haben eine sehr angenehmen Druckpunkt. Auch ein Lederdeckel als Displayschutz wird mitgeliefert. An der Verarbeitung gibt es nicht zu meckern: Nichts knarrt oder lässt sich verbiegen oder eindrücken.
Die entscheidenden Nachteile des Tungsten E Designs sind der Wegfall der Leuchtdiode, der Sprachaufnahmetaste und des automatisch nach innen klappenden Staubdeckels für den SD-Slot. Leider fehlt nicht nur die Sprachaufnahmetaste sondern die ganze Sprachaufnahmefunktion! Keine Software, kein Mikrofon! Da auch der Vibrationsalarm wegfiel gibt es nun keinerlei stillen Alarm mehr! Der Lautsprecher befindet sich jetzt auf der Rückseite, was keine ideale Lösung ist, da man ihn mit der Hand abdeckt. Leider muss zum Betätigen des Reset-Knopfes wieder ein spitzer Gegenstand her. Beim T1 bis T3 reichte die Spitze des Stiftes aus. SD-Slot, IR-Fenster und Kopfhöreranschluss befinden sich an der Oberseite.

Innereien
Die Angabe von 256 MB Speicher ist ein wenig verwirrend. Als RAM (für Programme und Daten, wie bei älteren Palm OS Geräten) stehen 60 MB zur Verfügung. Weitere 160 MB werden wie eine eingebaute Speicherkarte angesprochen, der Rest des Speichers wird vom System benötigt. Der Speicher ist nicht flüchtig, behält also seine Daten auch wenn die Stromversorgung komplett ausfällt.
Als CPU kommt ein 416 MHz Intel XScale (PXA270 Familie) zum Einsatz, welcher subjektiv und laut Benchmark "Speedy" nicht schneller als der 400 MHz Prozessor des T3 ist. Dieser war allerdings schon verdammt schnell. Die CPU des T5 zeichnet aber ein besseres Powermanagement aus, welches die Laufzeit erhöhen soll. Das Betriebsystem ist Palm OS Garnet v5.4.5. Der SD-Slot ist wie gewohnt SDIO-fähig und funktioniert auch mit palmOnes WLAN SD-Card.
Der Multi-Connector
Der neue Anschluss namens Multi-Connector erinnert an aktuelle Nokia Handys. Der Stecker wird senkrecht von untern eingesteckt und nicht mehr wie der alte Universal-Connector zusätzlich von hinten gehalten. Außerdem kann ein Netzteil direkt angeschlossen werden (siehe Fotos). Allerdings handelt es sich leider nicht wie z.B. bei Nokia Handys um einen standardisierten Anschluss, für den man ein Universal-Netzteil hätte benutzen können. Der Multi-Connector ist meiner Meinung nach bedienerfreundlicher als der alte Universal-Connector, nur leider passt kein bisheriges Zubehör mehr. Er ist zudem palmOnes neuer Standard. Er ist darauf vorbereitet, bei kommenden (!) Geräten Video- und Audio-In/Out Funktionalität sowie USB 2.0 zu unterstützen.


Display
Das Display ist mit dem des T3 identisch. Die Auflösung beträgt 320 mal 480 Pixel. Ausleuchtung, Helligkeit und Schärfe sind sehr gut. Die Lesbarkeit bei Sonnenlicht jedoch nur eingeschränkt. Einen Displayvergleich gibt es beim T3 Review zu sehen.
Akku
Die Akkulaufzeit habe ich mit BatteryBench2 getestet, welches einen normalen Gebrauch des Gerätes simuliert. Nach 5:36 Stunden ließ sich der Palm nicht mehr einschalten. Möglicherweise verbessert sich Akkulaufzeit nach ein paar Lade-/Entladezyklen. Ich werde hier berichten. Auf jeden Fall liegt die Laufzeit über den Werten des T3, über den mir User von Laufzeiten zwischen 3,5 und 4,5 Stunden berichteten. Ich selber hatte beim ersten Zyklus 3,25 Stunden ermittelt.
Software
Im T5 wurde endlich ein Dateimanager integriert. Das hätte eigentlich schon beim m505 der Fall sein sollen, aber besser spät als nie. Das Programm ist einfach zu bedienen und übersichtlich, leider werden nur interner Speicher (die o.g. 160 MB) und Speicherkarten angezeigt, nicht aber die 60 MB RAM. Ebenfalls neu ist ein Media-Player zum Anzeigen von Videos und Bilddateien. Documents to Go 7.0 und der Real Player befinden sich ebenfalls im ROM.
Die Palm OS 5.4.5 bietet im Vergleich zur Version 5.2.1 auf dem T3 hauptsächlich Bugfixes. Neu ist die Möglichkeit im Kalender und im Launcher Hintergrundbilder einzubinden. Kontakten können Fotos zugeordnet werden und der Kalender unterstützt Zeitzonen.
Der HotSync-Manager in der Version 6.0.1 hat ein neues Taskleistensymbol bekommen und zeigt das Protokoll jetzt sehr übersichtlich in einer HTML-Datei an.
Fehler im Kalender
Leider hat der T5 einen Bug im Kalender, an einem Patch arbeitet palmOne aber bereits (siehe offizielle FAQ). Ändert man im Kalender die Standard-Ansicht (Default view) von Agenda/Heute auf Monatsansicht, wird das Programm beendet. Versucht man es wieder zu starten stürzt das Gerät ab. Also Finger weg, ansonsten kommt man nicht mehr in den Kalender. Die weiteren Fehler über die auf verschiedenen Seiten berichtet wurde (z.B. Golem.de) konnte ich nicht reproduzieren.
Update: Der Fehler kann durch einen Patch behoben werden, der am 24.10.2004 für US-Modelle vorgestellt worden ist. Deutsche Versionen sind in Kürze zu erwarten.
WLAN / Bluetooth
Bluetooth ist integriert, Wireless LAN kann leider nur per SD-Card nachgerüstet werden. Laut palmOne hätte eingebautes WLAN Größe, Preis und Gewicht erhöht. Sonderbar ist nur, dass die Windows Mobile Konkurrenz beides in ein kleineres, leichteres Gerät zu integrieren schafft...
Update 01.12.04
Bisher war nicht abschließend geklärt, ob die palmOne WLAN SD-Card mit dem T5 funktionieren würde. Shop-, News- und nicht zuletzt palmOnes eigene Webseiten machten unterschiedliche Angaben. Da seit heute auf palmOnes Supportseiten ein T5-Treiber angeboten wird erledigt sich die Frage aber jetzt.
USB-Wecheselspeicherfunktion
Die 160 MB Speicher, die vom PDA aus wie eine Speicherkarte angesprochen werden, können auch vom PC aus als Wechsellaufwerk (ähnlich wie ein USB-Stick) verwendet werden. Dazu verbindet man PDA und Desktop und startet auf dem PDA das Programm "Laufwerksmodus". Das Betriebsystem erkennt den Palm dann als Wechselspeicher, ebenso wie eine eingelegte Speicherkarte. Es ist (zumindest unter Windows XP) keine Treiberinstallation nötig. Eine 10 MB große Datei zu übertragen dauerte 35 Sekunden. Der Transfer auf eine SD-Karte in einem USB 1 Kartenleser dauerte nur etwa 15 Sekunden.

Fazit
Der Tungsten T5 ist eine Entwicklung in die richtige Richtung und insgesamt ein sehr guter PDA. Der neue Connector, das sliderlose Design, der nicht-flüchtige Speicher und die Wechsellaufwerk-Funktionalität sind zukunftsweisend. Aufgrund zu vieler Einschnitte (keine LED, keine Vibration, keine Sprachaufnahme, Plastikgehäuse) hebt er sich jedoch nicht entscheidend genug vom Vorgänger ab. Es gibt keine konsequente Verbesserung sondern teilweise eher ein Feature-Tausch.
Wer sollte ihn kaufen?
Das Upgrade vom T3 würde ich mir gut überlegen. Meiner Meinung nach ist es nur sinnvoll, wenn man sich stark an dem Slider stört oder/und die WLAN SD-Card nutzen will und gleichzeitig Zugriff auf eine "Speicherkarte" benötigt. Im Falle des T5 ersetzen die 160 MB interner Speicher diese. Für Neueinsteiger oder Besitzer älterer Geräte gilt das Gleiche: Ihr solltet Euch vielleicht noch einmal das T3 Review durchlesen, den vorherigen Absatz beherzigen und die Preise vergleichen.
Beachtet dabei, dass es den Tungsten T3 vielleicht nicht mehr lange zu kaufen gibt.
Pro und Contra
 |
- kein Slider
- gute Verarbeitung
- liegt gut in der Hand
- zukunftsweisender Connector
- viel und nicht-flüchtiger Speicher
- Wechsellaufwerk-Funktionalität
- relativ lange Akku-Laufzeit
- Bluetooth
| |  |
- LED fehlt
- Vibrationsalarm fehlt
- Sprachaufnahme fehlt
- keinerlei stiller Alarm
- Lautsprecher schlecht platziert
- Kunststoffgehäuse
- kein WLAN
|
Vielen Dank an Bluehand.de, die uns wieder einmal blitzschnell mit einem Testgerät versorgt haben. Ihr wisst also wo Ihr Euren T5 kauft ;-)
Displayschutzfolien zum Tungsten T5 gibt es übrigens im Nexave WebShop. |